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06.09.2019

Die Sojabohne, die mit Trockenstress besser klarkommt

In den USA hat die Landwirtschaftsbehörde grünes Licht gegeben für eine neue gentechnisch veränderte Sojabohne, die bei Trockenheit stabilere Erträge liefert. Zuvor waren bereits Anbauzulassungen in Argentinien und Brasilien erteilt worden. Sobald China als wichtigster Abnehmer für amerikanische Sojabohnen den Import zulässt, soll der großflächige Anbau beginnen. In Europa wurde bisher noch keine Importzulassung beantragt.

Anbau-Zulassungen für gv-Sojabohnen in Südamerika und entsprechende Importzulassungen in Europa. 14 von 20 in Südamerika angebauten gv-Sojabohnen sind in der EU für den Import zugelassen, vier weitere sind beantragt, die HB4-Sojabohne bislang nicht.

Die neue Sojabohne mit dem Namen HB4 wurde in Argentinien entwickelt und seit 2012 von Verdeca, einem Joint Venture von Bioceres Crop Solutions (Argentinien) und Arcadia Biosciences (USA) bis zur Marktreife gebracht. Inzwischen sind in Argentinien, Brasilien und nun auch in den USA die mehrstufigen Zulassungsprozesse abgeschlossen und ein Anbau in absehbarer Zeit zu erwarten.

Mit der jetzt erfolgten Zulassung durch die US-Landwirtsschaftsbehörde USDA sei die HB4-Sojabohne nun in 80 Prozent des globalen Sojamarktes zugelassen, so Verdeca in einer Pressemitteilung von August 2019. In den drei Ländern werden auf annähernd 90 Millionen Hektar Sojabohnen angebaut, davon sind zwischen 94 und 100 Prozent gentechnisch verändert.

Für den kommerziellen Anbau in Argentinien ist noch eine Importzulassung Chinas erforderlich, die für 2020 erwartet wird. China ist das bei weitem wichtigste Abnehmerland für Sojabohnen aus Nord- und Südamerika.

Bei der HB4-Sojabohne wurde noch mit klassischer Gentechnik ein artfremdes Gen übertragen. Das HaHB4-Gen stammt aus der Sonnenblume und gehört zu einer Gruppe von Genen, die an Stressreaktionen von Pflanzen beteiligt sind. Sie helfen der Pflanze, extreme Umwelteinflüsse wie z.B. Wassermangel auszugleichen. Genauer: HB4 verringert die Empfindlichkeit gegenüber dem Pflanzenhormon Ethylen, welches das Wachstum der Pflanze unter Stressbedingungen reguliert. Sie kann dann etwa auch in Trockenperioden länger Fotosynthese betreiben, der Alterungsprozess ist verzögert. Die HB4-Sojabohne bietet somit auch unter Anbaubedingungen, die normalerweise die Sojabohnenausbeute verringern würden, einen Ertragsvorteil.

Er würde in der Tat die HB4-Sojabohne eher als „Ertrags-Verbesserungs-Merkmal“ bezeichnen, so Frederico Trucco von Bioceres. Denn die Mechanismen, auf denen die Trockenheitstoleranz oder die Wassernutzungseffizienz bei Pflanzen beruhen, seien noch nicht im Detail verstanden. „Aus Marketing-Sicht ist aber Trockentoleranz attraktiver“.

Von 2009 bis 2015 wurde die HB4-Sojabohne in Argentinien und den USA in umfangreichen Freilandversuchen an verschiedenen Orten getestet. Das HB4-Gen erhöhte zuverlässig die Anpassungsfähigkeit der Pflanzen an die jeweiligen Umweltbedingungen. Unter Stressbedingungen wie z.B. Wassermangel war der Ertrag um 14 Prozent höher als bei der konventionellen Vergleichssorte. Und auch unter „normalen“ Anbaubedingungen brachte sie sieben Prozent mehr Ertrag.

Es wird nun angestrebt das HB4-Merkmal mit auf dem Markt befindlichen Sojabohnensorten zu kombinieren, um so die Erträge unter verschiedenen Umweltbedingungen zu verbessern. Wenn China die HB4-Sojabohne genehmigt, „werden wir in einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren 15 bis 25 Prozent der gesamten Sojaanbaufläche in Argentinien (mit HB4) durchdringen“, so Frederico Trucco in einem Interview mit Reuters. Laut der Zulassungsdatenbank des International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications (ISAAA) ist bereits eine Kombination von HB4 mit Monsantos RoundupReady- Sojabohne GTS 40-3-2 ebenfalls in den drei Ländern Argentinien, Brasilien, USA zugelassen.

Weder für die Sojabohne HB4 noch für HB4 x GTS 40-3-3 wurde in der EU bislang ein Zulassungsantrag für den Import gestellt. Die EU importiert jährlich mehr als 30 Mio Tonnen Sojabohnen und –schrot, davon mehr als 85 Prozent aus Brasilien, Argentinien und den USA.

Erforscht wird das HaHB4-Gen schon seit den 1990er Jahren. Es funktioniert nicht nur in Sojabohnen. Auch bei Mais und Weizen wurde beobachtet, dass das HaHB4-Gen die Anpassungsfähigkeit an die Umwelt erhöht. So gab es in Spanien 2017/18 einen Freisetzungsversuch mit Weizen, in den das Sonnenblumen-Gen übertragen worden war.

Pflanzen gegen Trockenheit zu wappnen, wird in Zeiten des Klimawandels ein immer dringlicheres Ziel in der Pflanzenzüchtung. Lediglich zwei weitere gentechnisch veränderte trockentolerante Pflanzen wurden bisher zugelassen. Das ist zum einen Monsantos DroughtGard-Mais in den USA sowie trockentolerantes Zuckerrohr in Indonesien, das von staatlichen Forschungseinrichtungen entwickelt wurde. Bei beiden wurden mit klassischer Gentechnik einzelne bakterielle Gene eingeführt, die die Pflanze bei Trockenstress stabilisieren. Da Trockentoleranz ein sehr komplexes Merkmal ist, an dem viele Gene beteiligt sind, stoßen jedoch die klassischen Züchtungsmethoden - Kreuzungszüchtung ebenso wie die klassische Gentechnik - schnell an ihre Grenzen. Deshalb werden in Zukunft hierbei die neuen Züchtungstechnologien wie die Genschere CRISPR/Cas eine zentrale Rolle spielen. Mit deren Hilfe lassen sich gezielt Mutationen einzelner und auch mehrerer Gene herbeiführen.

Quelle: transGEN


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