Markt
01.08.2019

Monatsbericht Juli 2019: Schwache Ernteprognosen stützen Rapsmarkt, Geschäfte bleiben zäh , Größere EU-Versorgungslücke, aber Ukraine steht bereit, Wenig Geschäft an den Schrotmärkten, Nachfrage saisonbedingt gering

Die Saison 2019/20 startete vergleichsweise hochpreisig. Anfang Juli lagen die Erzeugerpreise mit 354 EUR/t rund 5 % über Vorjahreslinie. Mittlerweile hat sich der Vorsprung zwar verringert, aber die Vorjahre werden auch zum Monatsende noch übertroffen.

Schwache Ernteprognosen stützen Rapsmarkt
Die Saison 2019/20 startete vergleichsweise hochpreisig. Anfang Juli lagen die Erzeugerpreise mit 354 EUR/t rund 5 % über Vorjahreslinie. Mittlerweile hat sich der Vorsprung zwar verringert, aber die Vorjahre werden auch zum Monatsende noch übertroffen. In dem höheren Preisniveau spiegelt sich die Aussicht auf eine kleine EU- sowie deutsche Rapsernte 2019 und demzufolge knappere Rapsversorgung 2019/20 wider. Feste Terminkurse und neuerliche Hitzewelle zum Monatswechsel legen Potenzial für weitere Preisbefestigungen nahe.

Geschäfte bleiben zäh
Die steigende Tendenz der Rapsterminkurse in Paris und der Kassapreise hierzulande animieren Rapserzeuger nicht zum Verkauf, sondern zum Warten auf weitere Befestigungen. Gehemmt wird die Abgabebereitschaft zusätzlich durch die Unsicherheit über Erträge und Qualitäten der diesjährigen Rapsernte. Zudem sind viele gar nicht am Markt aktiv, sondern mit der Getreide- und Ölsaatenernte beschäftigt. Ölmühlen auf der anderen Seite haben sich für die Herbst- und Wintermonate häufig schon mit Rapskontrakten eingedeckt, darunter auch jede Menge aus der Ukraine, von wo in der Saison 2019/20 erneut mit großem, sehr wahrscheinlich sogar größerem Angebot zu rechnen ist. Vorne ist die Versorgung vieler Verarbeiter indes noch lückig, Bedarf also durchaus vorhanden, aber die Preisverhandlungen gestalten sich häufig zäh. Aus Erzeugersicht spiegelt der Preisverlauf am Kassamarkt die knappere deutsche und EU-Versorgungslage nicht hinreichend wider. Während in Paris weiteres Aufwärtspotenzial besteht und die Notierungen mit fast 377 EUR/t Ende Juli ein 6-Monatshoch erreichten, überträgt sich das Plus nur bedingt auf den Kassamarkt. Die Ölmühlen ziehen nicht mit und kürzen ihre Prämien auf die steigenden Terminkurse, sodass die Erzeugerpreise in der Regel am Widerstand von 360 EUR/t scheitern.

Größere EU-Versorgungslücke, aber Ukraine steht bereit
Die Saison 2019/20 steht unter ähnlichen Vorzeichen wie die vorherige, eigentlich ist die Situation sogar noch gravierender. Nach Zahlen des Internationalen Getreiderates IGC dürfte sich der EUImportbedarf für Raps von vorjährigen 3,6 auf 4,3 Mio. t erhöhen. War der Importbedarf der EU im Vorjahr durch Lieferungen aus Kanada, Australien und vor allem durch das größere Angebot aus der Ukraine gut zu decken gewesen, beschäftigt den Markt die Frage, ob dies in der Saison 2019/20 erneut gelingen kann. Die Ukraine jedoch ist im Begriff einer Rekordrapsernte einzufahren. Ölgehalte und Erträge lassen im Vergleich zum Vorjahr zwar zu wünschen übrig, aber die Anbaufläche wurde kräftig ausgedehnt, weshalb der IGC eine Rekordernte von 3,7 Mio. t avisiert. Davon ausgehend, dass die Ukraine, ähnlich den Vorjahren, rund 80 % ihrer Rapsernte am EU-Markt platzieren wird, ist mit einem Angebot von dort in Höhe von rund 3 Mio. t zu rechnen. Der EU-Importbedarf an Raps wäre daher möglicherweise allein schon durch die Zufuhren aus der Ukraine und Australien vollständig zu decken. Hinzu kommen Lieferungen aus Kanada und auch Russland dürfte für die eine oder andere Partie gut sein. Aber noch ist nichts entschieden, wozu vor allem der Handelskonflikt zwischen Kanada und China beiträgt, der zu deutlichen Veränderungen der Handelsströme führen könnte. China kauft seit Monaten keinen Raps aus Kanada mehr und könnte versuchen, die Lücke mit Raps aus der Ukraine zu füllen, womit das Reich der Mitte in direkter Konkurrenz zur EU stünde, während Kanada neue Märkte für seinen Raps erschließen möchte und dabei auch ein Auge auf die EU geworfen hat.

Wenig Geschäft an den Schrotmärkten
An den Ölschrotmärkten ging es im Juli fortgesetzt ruhig zu. Es wurde sowohl wenig Raps- als auch Sojaschrot nachgefragt, weil Mischfutterhersteller gut versorgt sind. So hatten sie keinen Druck Ware ordern zu müssen und konnten auf Preisnachlässe spekulieren. Auch die schwachen EUErnteaussichten konnten nicht zum Kauf animieren. Zudem liegt der Fokus der Marktteilnehmer zu Beginn des neuen Wirtschaftsjahres auf der laufenden Rapsernte; sie warten gespannt, welche Rohstoffmengen am Ende zusammenkommen.

Nachfrage saisonbedingt gering
Mit Beginn der Sommerferien in den meisten Bundesländern hat sich die Nachfrage an den Ölschrotmärkten Ende Juli noch zusätzlich beruhigt. Viele Käufer haben sich in den Sommerurlaub verabschiedet und bleiben dem Markt nun erst einmal fern. Das spiegelt sich auch im Preisverlauf wider. Die Rapsschrotpreise haben gegenüber Vormonat um 7 auf 199 EUR/t nachgegeben. Sojaschrot legt einen deutlicheren Rückgang hin: 49er Ware gab um 13 auf 319 EUR/t nach, Sojaschrot mit 44 % Pro-Fettgehalt wird mit 290 EUR/t ebenfalls 13 EUR/t unter Vormonat bewertet. Druck kam auch von den Sojaschrotkursen in Chicago. Im Juni lag der Preis dort im Schnitt bei umgerechnet 310 EUR/t, der Juli verzeichnete mit 301,50 EUR/t einen deutlichen Rückgang.

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