Schweine aktuell: Jungsauen richtig eingliedern

13.05.2020 – Dr. Onno Burfeind; Christian Meyer, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

Nur das Beste für die zukünftige Generation der Herde

Jungsauen stellen die Zukunft einer Sauenherde dar. Aus diesem Grunde sollte diesen Tieren entsprechende Beachtung geschenkt werden, um die Leistungsfähigkeit einer Sauenherde zu verbessern bzw. zu erhalten. Da die Jungsauen die genetisch hochwertigsten Tiere für den Betrieb darstellen, ist eine ausreichende Remontierungsrate wichtig für eine Weiterentwicklung der Herde. In ferkelerzeugenden Betrieben sollte diese bei etwa 35 bis 40 % liegen.

In den ersten drei Wochen müssen die Zuchtläufer gesondert ohne Kontakt zur übrigen Herde aufgestallt werden. Diese Quarantäne dient dem Schutz der eigenen Herde vor Krankheitserregern, die die neuen Tiere mitbringen.


Remontiert werden Jungsauen in vielen Fällen über den Zukauf von Zuchtläufern aus Vermehrungsbetrieben. In diesem Fall ist penibel auf eine Quarantäne der Tiere von mindestens drei Wochen zu achten. Hierbei sind die Zuchtläufer gesondert aufzustallen und separat zu versorgen, um einen Kontakt zur Herde zu vermeiden. Damit wird die Inkubationszeit der wichtigsten Infektionskrankheiten überbrückt. Sollte in der Quarantäne eine Erkrankung auftreten können die Tiere geschlachtet werden, bevor die Zuchtläufer Kontakt zur Herde haben. In der Quarantäne erfolgt ebenfalls die Impfung der Tiere, die diese auf die Krankheitserreger der Herde vorbereiten soll. Die Impfung orientiert sich dabei an den in der Herde nachgewiesenen Erregern. Im Anschluss an die Quarantäne folgt die Eingliederung der Jungsauen in die Herde. Dafür wird zunächst ein direkter Kontakt zu einigen Altsauen hergestellt. Dies dient dazu, auch mit herdenspezifischen Erregern in Kontakt zu kommen, gegen die keine Impfstoffe zur Verfügung stehen. Die Jungsauen reagieren darauf mit der Bildung von Antikörpern, die sie vor einer Infektion schützen und gleichzeitig die Kolostrumqualität nach der ersten Abferkelung verbessern. In dieser Zeit sollten die Jungsauen mit der späteren Fütterungstechnik vertraut werden. Gerade bei der Nutzung von Abrufstationen ist es essentiell, dass die Jungsauen die Technik bereits kennen bevor sie in den Wartestall kommen.

In der Eingliederung gilt es die Jungsauen an die vorhandene Technik zu gewöhnen, bevor diese nach der Belegung im Wartestall von den Tieren genutzt werden soll.


Neben dem Bezug von Jungsauen aus spezialisierten Vermehrungsbetrieben betreiben vor allem größere Betriebe die Eigenremontierung von Jungsauen. Hierbei wird eine Kernherde von Sauen Reinzuchtsauen gehalten, die mit dem entsprechenden Eber angepaart werden, um entsprechende Hybridjungsauen zu produzieren. Der größte Vorteil hierbei liegt in der Biosicherheit. So werden in diese Betriebe keine Tiere, sondern lediglich Sperma als tierisches Material eingebracht, welches sehr gut untersucht ist. Als Nachteil ist zu sehen, dass der Betrieb in der Regel eine gewisse Größe haben muss, die die Zuchtarbeit rechtfertigt. In jedem Fall ist die intensive Betreuung durch das jeweilige Zuchtunternehmen eine absolute Notwendigkeit, um Betriebsblindheit zu vermeiden, und somit den Zuchtfortschritt sicherzustellen. Weiterhin müssen in der Vermarktung der männlichen und der selektierten Vorstufentiere Kompromisse gemacht werden. Eine einfachere Form der Eigenremontierung stellt die Wechselkreuzung dar. Hierbei wird im Wechsel jeweils die eine oder andere mütterliche Linie an die Bestandssauen angepaart. Das Verfahren ist somit einfacher zu handhaben, da keine Kernherde vorgehalten werden muss. Nachteilig ist hierbei vor allem, dass der Heterosiseffekt der Kreuzungszucht nicht voll zum Tragen kommt, da die Sauen jeweils eine Kreuzung von einem Drittel der einen Mutterrasse und zwei Drittel der anderen Mutterrasse sind.

Gewöhnung an das Haltungsverfahren

Unabhängig davon ob Jungsauen zugekauft oder eigenremontiert werden, müssen diese, wie oben bereits für die Abrufstation ausgeführt, an das nachfolgende Haltungsverfahren gewöhnt werden. Dazu gehört die Gewöhnung an einen Kastenstand. Nach wie vor dürfen Sauen im Deckzentrum bis 28 Tage nach der Belegung im Kastenstand gehalten werden. Weiterhin stellt der Ferkelschutzkorb das Standardhaltungsverfahren in der Abferkelung dar. Jungsauen müssen sich an die Fixierung gewöhnen, damit sie sich nicht später in den Ständen umdrehen. Dies ist im Alltag nicht nur lästig, sondern kann zu erheblichen Verletzungen der Tiere führen. Dafür ist es notwendig, bereits die Jungsau spätestens im Deckzentrum im Kastenstand zu fixieren. Haben die Tiere dies einmal gelernt drehen sie sich später seltener um.

Eine Gewöhnung an die Haltung im Kastenstand ist notwendig, da die Sauen im späteren Produktionsleben sowohl im Deckzentrum als auch in der Abferkelbucht fixiert werden. Eine rechtzeitige Gewöhnung erleichtert den Tieren die spätere Fixierung und verringe

Wann die Jungsau besamen?

Abhängig vom Produktionsrhythmus ist eine Synchronisation der Jungsauen für die erste Besamung sinnvoll oder notwendig. Während im Wochenrhythmus die Möglichkeit besteht, die natürliche Rausche für die erste Besamung auszunutzen, ist es in den weiteren Rhythmen in jedem Fall sinnvoll die Jungsauen über die Gabe von Altrenogest einmalig zu synchronisieren. Durch die Blockade des Zyklus bei der 18-tägigen Gabe kommen die Jungsauen nach Absetzen des Produktes in die Rausche. In jedem Fall ermöglicht der Einsatz das genaue Auffüllen der Produktionsgruppen auf die gewünschte Sauenzahl. Wird zu Beginn der Säugezeit entschieden, welche Sauen nicht wieder belegt werden sollen, kann die entsprechende Anzahl von Jungsauen mit der Synchronisation starten und die Produktion wird planbarer.

Nicht zu unterschätzen ist die Notwendigkeit der Rauschebeobachtung bei den Jungsauen. Die Jungsauen dürfen erst in der zweiten, besser in der dritten dokumentierten Rausche besamt werden. Nur so können optimale Fruchtbarkeitsergebnisse erzielt werden. Dies gilt neben dem ersten Wurf auch für die Folgewürfe.Das Alter und das Körpergewicht muss bei der Erstbesamung im Optimalbereich liegen. Hier werden je nach Genetik Werte zwischen 200 und 260 Tagen und 135 bis 160 kg vorgegeben. Diese Angaben sind allerdings sehr spezifisch für die eingesetzten Sauengenetiken, sodass eine konkrete Beratungsempfehlung für die eingesetzte Genetik bei den Firmenvertretern zu erfragen ist. Dies gilt ebenfalls für die Fütterung der Jungsau. Auch hier unterscheiden sich die einzelnen Genetiken, sodass die Fütterung ebenfalls spezifisch vorgenommen werden muss. In jedem Fall ist hier eine gute Beratung durch die Firmen sinnvoll. Eine regelmäßige gemeinsame Beurteilung der Kondition der Jungsauen ermöglicht ein schnelles Gegensteuern bei Fütterungsfehlern. In der Regel liegen die Empfehlungen für die Lebenstagszunahme von Jungsauen zwischen 550 und 700 g. Da von den Mastschweinen heute nicht selten Tageszunahmen von 1000 g erwartet werden, müssen die Jungsauen ein entsprechendes Wachstumspotential mitbringen. Somit liegt die Herausforderung heute nicht in einem zu geringen, sondern eher in einem zu forschen Wachstum.Hier gilt, es die Fütterung auf das gewünschte Niveau abzustimmen, damit der Bewegungsapparat sich wie gewünscht entwickeln kann.

Gerade bei der Gruppenhaltung von Sauen in der Trächtigkeit ist ein funktionierender Bewegungsapparat von enormer Bedeutung. In vielen Betrieben stellen Probleme des Bewegungsapparates die häufigste Ursache für Abgänge von Sauen dar. Die meisten Zuchtunternehmen geben heutzutage ganz spezifische Haltungs- und Fütterungsempfehlungen für die jeweilige Sauengenetik heraus, die z.T. auch im Internet zu finden sind. Diese sollten gründlich studiert und beachtet sowie um die direkte Beratung ergänzt werden.

Über eine Gitter muss in der Eingliederung ein direkter Rüsselkontakt zu Altsauen möglich sein. Die bloße Anwesenheit von Altsauen in dem genutzten Abteil ist nicht ausreichend für eine gute Immunisierung.

Separate Jungsauengruppe

Einmal besamt ist es sinnvoll, die Jungsauen in einer separaten Gruppe zu führen, um sie vor den Altsauen zu schützen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Jungsauen sich körperlich auch in der ersten Trächtigkeit weiterentwickeln können. Werden die Jungsauen vor dem Abferkeln in die Abferkelbucht eingestallt, sollte ihnen ebenfalls die notwendige Aufmerksamkeit gewidmet werden. Jungsauenwürfe haben häufiger Probleme mit Saugferkeldurchfall als Altsauen. Ein Grund dafür ist die Kolostrumqualität. Die Jungsauen sind noch nicht so lange in der Herde, wodurch sie sich noch nicht mit so vielen Erregern auseinandergesetzt haben, wie dies bei Altsauen der Fall ist. Dadurch sind Jungsauenwürfe oft nicht so gut geschützt wie Altsauenwürfe. Treten hier gehäuft Probleme auf, sind das Impfschema und der Kontakt zu Altsauen in der Eingliederung zu hinterfragen. Wichtig ist hier der direkte Rüsselkontakt zu den Altsauen und nicht nur die bloße Anwesenheit dieser im Abteil. Nur der direkte Kontakt ermöglicht einen sicheren Austausch der Erreger, was für die Antikörperbildung und damit indirekt die Kolostrumqualität von entscheidender Bedeutung ist.

Jungsauen sollten in der ersten Trächtigkeit in einer separaten Gruppe geführt werden, um sie vor den Altsauen zu schützen.

Alle Striche belegen

Einmal abgeferkelt muss jeder Strich der Jungsau von einem Ferkel belegt werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle Gesäugekomplexe angesogen und somit zur vollen Ausbildung kommen. Auch eine Jungsau kann bei 14 funktionierenden Strichen sehr gut 14 Ferkel aufziehen.

Bei gutem Eingliederungsmanagement können auch Jungsauen schon viele Ferkel werfen und großziehen. In jedem Fall sollten alle Striche belegt werden, um gut angesogen zu werden.

FAZIT

Tiere im Bestand. Um sie optimal in die Herde zu integrieren, ist eine Quarantäne und eine Eingliederung mit Kontakt zu Altsauen von entscheidender Bedeutung. Die Fütterung der verschiedenen Genetiken muss eng mit dem jeweiligen Fachberater der Firma abgestimmt werden, um die Jungsauen bei optimaler Kondition das erste Mal zu besamen. Dies sollte in der zweiten besser in der dritten dokumentierten Rausche geschehen.

DER DIREKTE DRAHT

Dr. Onno Burfeind
E-Mail: Onnoburfeind(at)gmail(dot)com

Christian Meyer
Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein
E-Mail: cmeyer(at)lksh(dot)de

Stand: 5.2020