Kälbermast

6.11.2019 – M. sc. Anne Fabritz und Prof. Dr. Katrin Mahlkow-Nerge, Fachhochschule Kiel, Fachbereich Agrarwirtschaft Osterrönfeld

Teil 2: Umfrage bei Kälbermästern

In der letzten Ausgabe wurde über eine Untersuchung von Labmägen von Milchmastkälbern aus der Schweiz berichtet. Es zeigten sich, obgleich es nur eine kleine Stichprobe war, zahlreiche Reizungen/Läsionen und zum Teil sogar stärkere Schädigungen dieser Mägen. Da bei den Untersuchungen auf dem Schlachthof im September 2018 jedoch keine genaue Zuordnung der Labmägen zu den einzelnen Kälbern möglich war, wurden im März 2019 durch eine online-Umfrage bei den SFK-Mästern („Swiss Farmer Kalb“) die Haltungs- und Fütterungsbedingungen abgefragt. Insgesamt konnten 54 vollständig ausgefüllte Umfragebögen ausgewertet werden.

Foto Fabian Roth


Den größten Anteil dieser Betriebe (63 %) bildeten Milchkuhbetriebe, die darüber hinaus Kälber mästeten. 31 % der Umfrageteilnehmer betrieben ausschließlich die Kälbermast. Die Mehrzahl dieser Betriebe hatte weniger als 30 Mastplätze.

Bei 81,5 % der Mäster erfolgte die Belegung kontinuierlich, die anderen 18,5 % der Betriebe arbeiteten nach dem Rein-Raus-Prinzip.

Fast die Hälfte der Befragten mästete die Kälber durchschnittlich 141 bis 160 Tage, 39 % zwischen 120 und 140 Tagen, 9 % länger als 161 Tage und 4 % kürzer als 120 Tage.

Die meisten Betriebsleiter gaben an, bei ihren Kälbern eine durchschnittliche Tageszunahme von 1000 bis 1400 g zu erreichen (Übersicht 1).

Übersicht 1: Durchschnittliche Tageszunahmen der Kälber während der gesamten Mast


14 der 20 Betriebe mit einer durchschnittlichen Tageszunahme bei den Mastkälbern von 1000 bis 1200 g gaben an, einen Lichtwert bei den Schlachtkörpern zwischen 43 und 46 zu haben, was einem sehr hellen Fleisch entspricht.

Vollmilch bzw. Milchaustauscher sind die bedeutsamsten Futtermittel in der Kälbermast. Viele dieser Betriebe tränkten die Kälber ad libitum. Die Vorgabe im „Swiss Farmer Kalb“-Programm, während der Mast 1000 l Milch je Kalb zu vertränken, wurde gemäß der Umfrage erfüllt. Da das durchschnittliche Schlachtalter 155 Tage betrug, die Einstallung für die Mast mit 21 Lebenstagen erfolgte, entsprechen 1000 Liter Vollmilch einer durchschnittlichen Tagesmenge von fast 7,5 Litern. Wenn für diese Milch ein Energiegehalt von 2,7 MJ ME (bei einem TM-Gehalt von 14 %) unterstellt wird, ergeben 7,5 l Milch 20,25 MJ ME. Bei einem angenommenen Durchschnittsgewicht der Kälber von ca. 90 kg während der Mastdauer wären nach Angaben der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie bei einem derartigen Gewicht und der von den Landwirten angegebenen Tageszunahme eine Energieaufnahme von knapp 33 MJ ME notwendig. Die verbleibende Lücke von 13,25 MJ ME (33 minus 20,25 MJ ME) müssten demnach v.a. über das Kraftfutter gedeckt werden. Bei Unterstellung eines Energiegehaltes von 10,7 MJ ME/kg Kraftfutter würde das einer Menge von 1,2 kg Kraftfutter entsprechen, auch wenn mit dem angebotenen Heu ebenfalls eine kleine Energiemenge zu berücksichtigen ist.

Heu wurde nämlich bei der Mehrzahl der Betriebe (fast 80 %) den Kälbern zur freien Aufnahme oder weitestgehend ad libitum angeboten, ansonsten auch Stroh. Darüber hinaus kamen, wie bereits rein rechnerisch notwendig, Kraftfuttermischungen zum Einsatz, bei 13 der 54 Betriebe ab der 2. Lebenswoche, bei 9 ab der 3. Woche und bei 32 Betrieben ab der 4. Lebenswoche. Ab der 10. Lebenswoche bis zum Mastende aber fütterte ein Großteil der Betriebe (65 %) kein Kraftfutter mehr. Dann müsste die notwendige Energiemenge nahezu vollständig über die Milch bzw. Milchaustauschertränke aufgenommen werden.

Bei der Nachfrage bezüglich der Eisenversorgung der Kälber gab die Hälfte der Betriebe an, diese über Futterzusätze zu ermöglichen. 10 Betriebsleiter versorgten die Kälber mittels einer Eiseninjektion, 23 wiederum supplementierten Eisen oral. In 15 Betrieben wurden die Kälber mit Eisen über die Vollmilchfütterung und in 2 Betrieben laut Aussagen der Landwirte über die Kraftfuttergabe versorgt. Für die verbleibenden 6 Betriebe war die Eisenversorgung der Kälber entweder nicht relevant oder aber sie machten diesbezüglich keine Angabe.

68 % der Mäster gaben Lichtwerte bei den Schlachtkörpern der Kälber im Bereich von 43 bis 46 an, 22 % im Bereich von 40 bis 42 (Abbildung 2).

Abbildung 2: Lichtwerte der Schlachtkörper


Für den Betriebsleiter, bei dem die Schlachtkörper der Kälber einen Lichtwert von über 50 hatten und demnach sehr hell waren, war die Eisenversorgung der Tiere nicht relevant gewesen.

Bei den 11 Betrieben, die einen Lichtwert des Kalbfleisches zwischen 40 und 42 angaben, wurde die Eisenversorgung der Kälber unterschiedlich gehandhabt (Tabelle 1):

Tabelle 1: Eisenversorgung der Kälber in den 12 Betrieben mit einem Lichtwert von 40 bis 42 bei den Schlachtkörpern


Auch bei den 37 Betrieben mit einem Lichtwert des Kalbfleisches von 43 bis 46 erfolgte die Eisenversorgung der Kälber sehr verschieden (Tabelle 2).

Tabelle 2: Eisenversorgung der Kälber in den 37 Betrieben mit einem Lichtwert von 43 bis 46 bei den Schlachtkörpern

FAZIT

Knapp 93 % der untersuchten Labmägen von Mastkälbern wiesen Läsionen im Bereich des Pylorus und knapp 19 % im Fundusbereich auf. 96 % der Mägen zeigten Reizungen/Läsionen am Torus Pylori und 7,5 % dieser Mägen sogar starke Schädigungen. Selbstverständlich muss dabei berücksichtigt werden, dass dies nur eine Stichprobe von 27 Labmägen der an diesem Tag 184 geschlachteten Kälbern war.

Weiterhin muss grundsätzlich bei Umfragen, ganz besonders aber bei online-Umfragen, beachtet werden, dass die Antworten aufgrund der Anonymität nicht belegbar und überprüfbar sind, und auch weil kein persönliches Gespräch stattfindet, in dem sich die Fragen erklären oder ggf. Antworten relativieren lassen. Dennoch konnte hierdurch ein gewisser Überblick über die Haltungsformen und Fütterungsstrategien erlangt werden, die jedoch nicht den einzelnen Labmägenbefunden zuzuordnen waren.

Sehr helles Kalbfleisch geht einher mit geringen Hämoglobingehalten im Blut. Das wiederum kann eine Anämie, also einen nicht physiologischen Zustand, beim Kalb bedeuten. Stehen diese eventuell mit den Schädigungen der Schleimhaut und Magenwand der Labmägen von Kälbern aus der Milchmast im Zusammenhang? Unphysiologische, krankhafte Labmagenveränderungen können nicht einhergehen mit bestmöglichen tierischen Leistungen, allen voran den Tageszunahmen der Kälber.

Es ist zu berücksichtigen, dass die vorliegende Untersuchung Milchmastkälber aus der Schweiz betraf und die Ergebnisse nicht bedenkenlos auf deutsche Verhältnisse übertragbar sind. Dennoch geben die Reizungen/Läsionen und zum Teil sogar stärkeren Schädigungen dieser Mägen Anlass, die Haltungs- und Fütterungsbedingungen in der Milchmast der Kälber genauer zu untersuchen und zu vergleichen.

DER DIREKTE DRAHT

M. sc. Anne Fabritz
annefabritz(at)gmail(dot)com

und

Prof. Dr. Katrin Mahlkow-Nerge,
Fachhochschule Kiel,
Fachbereich Argarwirtschaft, Osterrönfeld

Katrin.Mahlkow-Nerge(at)fh-kiel(dot)de

Literaturverzeichnis
Bähler, C., Regula, G., Stoffel, M.H., Steiner, A., von Rotz, A. (2009): Effects of the two production programs „Naturafarm“ and „conventional“ on the prevalence of non-perforating abomasal lesions in Swiss veal calves at slaughter, Elsevier Ltd.
Bostedt, H. (2010): Zum Status der Eisenversorgung beim Kalb – Möglichkeiten der Eisensubstitution, 26.03.2019 – LINK
DESTATIS (2019):Tierische und gewerbliche Erzeugung – gewerbliche Schlachtungen, 15.05.2019 – LINK
Duffey, P. A. (1991): Eisenversorgung beim Mastkalb – Teil II: Vergleich der Fleischqualität von anämischen und nicht-anämischen Kälbern, LINK
Hund, A., Wittek, T. (2017): Labmagengeschwüre beim Rind, Download from www.tieraerztliche-praxis.de, Schattauer Verlag, Stuttgart.
Schneider, P. (2018): Basiskurs Kälbergesundheit „Der Schlachtviehmarkt“, Proviande, Vortrag am 02.09.2018.
Velik, M. (2015): Dunkles Kalbfleisch im Fokus, Hrsg.: Landwirt, Ausgabe 2/2015, 08.02.2019 – LINK
Wittek, T., Köchler, J., Mader, C. (2014): Untersuchungen zur Eisenversorgung von Mastkälbern in Tirol,  22.03.2019 – LINK